Eine zweite Röhre schadet der Gesundheit und dem Tessin

Eine zweite Röhre schadet der Gesundheit und dem Tessin

Ref_illus_Stau_CH32 Tessiner Ärztinnen und Ärzte haben einen offenen Brief ins Bundeshaus geschickt. Darin haben sie darauf hingewiesen, dass Feinstaub eine eindeutige und markante Zunahme von Asthmakrisen, Kinder-Bronchitis, chronischen Bronchitis, Lungenkrebs, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Hirnschlägen verursacht. Eine Hauptquelle des Feinstaubs ist der Strassenverkehr. Ich habe diesen Brief mitunterzeichnet. Warum?

Schon heute ist die Luft im südlichen Tessin schweizweit am stärksten mit Schadstoffen belastet. Eine zweite Strassenröhre wird über kurz oder lang mehr Verkehr anziehen, insbesondere Schwerverkehr. Das heisst, dass die Menschen entlang der Transitachsen gesundheitlich noch stärker leiden würden. Für mich als Ärztin ist das nicht akzeptabel.

Wird der bestehende Strassentunnel ohne Bau einer zweiten Röhre saniert, ist mein Kanton NIE vom Rest der Schweiz abgeschnitten. Ein Bahnverlad von Autos und Lastwagen garantiert, dass das Tessin immer auch mit Motorfahrzeugen erreichbar bleibt. Wir sagen: Der Tunnel soll nur im Winter saniert werden, da es dann weniger Verkehr hat am Gotthard. Der Bundesrat hat in eigenen Studien nachgewiesen, dass ein solcher Verlad möglich ist und die Kapazitäten insbesondere im Winter vollauf genügen. Ein Problem mit der Erreichbarkeit hat das Tessin nur, wenn eine zweite Röhre geplant wird: Dann nämlich ist für eine Notsanierung des bestehenden Tunnels eine Totalsperrung während 140 Tagen nötig. Während dieser Zeit besteht keine Verlademöglichkeit für Lastwagen und Autos, es bleiben nur Umwege!

Es kommt hinzu: 2016 wird der neue Eisenbahntunnel am Gotthard (NEAT) eröffnet und 2019 jener am Ceneri. Sie werden dem Tessin beste Verbindungen in die Deutschschweiz bringen. Dank der neuen Bahnlinie zwischen Mendrisio und Varese (MEVA) werden wir auch viel schneller in der Romandie sein. 2020 wird überdies der 4-Meter-Korridor in Betrieb genommen.

Noch ein Wort zum Thema „Sicherheit“. Ich will auch mehr Sicherheit auf den Strassen, auch deshalb will ich den Strassenverkehr reduzieren.Die absolute Sicherheit gibt es nirgends. Sie hängt ganz wesentlich vom Verkehrsaufkommen ab. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu hat in einer Studie darauf verwiesen, dass bei 3 % Mehrverkehr der Sicherheitsgewinn einer zweiten Röhre wieder zunichte gemacht wird, da sich das Risiko für Unfälle auf der gesamten Achse Chiasso-Basel erhöhen würde. Mit weniger Geld könnte man zudem eine viel grössere Wirkung erzielen: zum Beispiel mit der Reduktion der Lastwagenfahrten durch den Tunnel, flexiblen Mittelleitplanken, neuen Technologien wie Fahrerassistenz Systemen. Und viel mehr Tote liessen sich auf den Strassen verhindern, wenn in die Sicherheit für Fussgänger, insbesondere Betagte und Kinder, investiert würde.

Der Bau der 2. Röhre ist kein Beitrag zur nationalen Kohäsion, wie es die Befürworter behaupten. Eine 2. Röhre ist vielmehr eine Mogelpackung für das Tessin und den alpinen Raum.

Text gehalten an der Medienkonferenz zur Lancierung „Referendum 2. Gotthard-Röhre Nein“, vom 7.10.14

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