Rede zum 100-Jahr-Jubiläum MieterInnen-Verband Schweiz

Rede zum 100-Jahr-Jubiläum MieterInnen-Verband Schweiz

Mesdames, messieurs

Il est pour moi un honneur d’ouvrir aujourd’hui cette fête d’anniversaire de l’Association suisse des locataires. Nous nous engageons depuis cent ans déjà au plan suisse. Le premier congrès national des locataires s’est en effet tenu à Bienne le dimanche 31 janvier 1915.

Nous ne sommes pas seulement une association fêtant ses cent ans, mais aussi un mouvement qui compte plus de 215’000 membres, organisés en 21 sections présentes dans tout le pays , avec une organisation  qui voit collaborer des personnes issues de Suisse romande, italienne et alémanique. Il y a quatre ans, nous avons adapté notre structure et constitué une organisation suisse unique pour assurer la meilleure considération des droits des locataires, qui forment la grande majorité de notre pays.

Eine Wohnung, die Nachbarin vom Haus gegenüber oder das vertraute Quartier schaffen für alle ein wichtiges Stück Heimat. Ein Zuhause zu haben, in dem man sich wohl und sicher fühlt, ist unbezahlbar. Doch dafür braucht es bezahlbaren Wohnraum.

Genau dafür setzt sich der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband seit 100 Jahren ein. Am 31. Januar 1915 fand hier in Biel der erste nationale Kongress statt, nachdem Ende des 19. Jahrhunderts bereits zahlreiche städtische Mietervereine gegründet wurden. Wie heute setzte sich der Verband auch damals für die Bedürfnisse und Rechte der Mieterinnen und Mieter ein. Sie kämpften gegen viel zu enge Platzverhältnisse, unwürdige unhygienische Wohnungen oder Mietpreise, die sich viele Arbeiterinnen und Arbeiter schlicht nicht leisten konnten. Insbesondere dank dem Einsatz des Mieterinnen- und Mieterverbandes konnten grosse Fortschritte erreicht werden.

Dennoch – zahlreiche Forderungen von damals haben ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren. Schon vor 100 Jahren wehrte sich der Mieterinnen- und Mieterverband gegen horrende Mietzinse und „Mietwucherbestien“, die auf Kosten der Mieterschaft ihren Profit steigern konnten. Oder er rief Gemeinde, Kantone und den Bund dazu auf, eine aktive Wohnpolitik zu betreiben und dank öffentlichem Wohnungsbau bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Die Forderungen, Boden der Spekulation zu entziehen und öffentliches Land nicht an Private zu verkaufen, waren schon in der Gründungszeit aktuell – und sind es bis heute geblieben.

Doch die Frage nach bezahlbarem Wohnraum steht nicht für sich alleine, sondern ist eng verbunden mit Demokratie und sozialer Gerechtigkeit. Über die 100 Jahre hinweg verbindet uns die Überzeugung, dass Boden allen gehören soll, weil wir ihn zum Leben brauchen. Konkret bedeutet dies, dass Boden demokratisch kontrolliert werden soll und die Menschen mitentscheiden können, wie sich ihre Stadt, ihr Quartier oder ihr Dorf in Zukunft entwickeln. Niemand soll ein Recht haben, mit Boden und Wohnraum auf Kosten der Bewohnerinnen und Bewohner Profit zu machen. Denn darunter leiden – heute wie damals – insbesondere Menschen mit kleinem Portemonnaie.

Gerade für viele Familien mit mittleren und kleinen Einkommen spielte und spielt der Mieterinnen- und Mieterverband eine wichtige Rolle. Einerseits berät er tagtäglich Mieterinnen und Mieter in ihren Anliegen, gibt ihnen rechtlichen Schutz und unterstützt sie in ihren Forderungen gegenüber den Vermieterinnen und Vermieter. Die steigenden Mitgliederzahlen zeugen von diesem Erfolg.

Andererseits ist der Mieterverband eine wichtige politische Bewegung, die sich unermüdlich für die Rechte der Mieterinnen und Mieter einsetzt. Dabei kommt er gemeinsam mit Verbündeten aus Parteien, Gewerkschaften oder KonsumentInnen-Organisationen in kleinen, aber wichtigen Schritten vorwärts. So fördern zum Beispiel viele Gemeinden aktiv den genossenschaftlichen Wohnungsbau und ermöglichen so faire Mieten.

Zahlreiche Kantone haben auf Druck des Mieterinnen- und Mieterverbandes die Formularpflicht eingeführt oder schaffen bessere Rahmenbedingungen für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Und schweizweit wurde im neuen Raumplanungsgesetz durchgesetzt, dass bei Einzonungen ein Mehrwertsanteil abgeschöpft wird und damit Spekulationsgewinne verkleinert werden können. Darüber hinaus scheint eine Mehrheit für eine Formularpflicht greifend nah, aber noch lange nicht gesichert. Und der Mieterinnen- und Mieterverband hat kürzlich den Bundesrat mit einer Petition aufgefordert, die SBB zu verpflichten, ihre Grundstücke und Immobilien für den Bau von bezahlbarem Wohnraum einzusetzen.

100 Jahre nach der Gründung des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes können wir auf zahlreiche kleine Erfolgsgeschichten zurückblicken. Prekäre Wohnverhältnisse, Wohnungsnot, überteuerte Mietzinse, Luxussanierungen, die unaufhörliche Spekulation mit Boden und Immobilien zeigen deutlich: Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband wird auch in Zukunft gefordert sein.

Geschätzte Anwesende, ich danke euch herzlich für euren geleisteten Einsatz für die Rechte der Mieterinnen und Mieter. Ich freue mich, gemeinsam mit euch auch in Zukunft erfolgreich für mehr bezahlbaren Wohnraum und faire Mieten einzustehen. Und für heute wünsche ich uns allen ein schönes, genussvolles Jubiläum.

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