Zweite Röhre am Gotthard: No, grazie!

Zweite Röhre am Gotthard: No, grazie!

Die letzte SRG – Umfrage zeigt klar und deutlich: der Kanton Tessin will die zweite Röhre nicht! Die Zustimmung ist in der italienischsprachigen Schweiz förmlich zusammengebrochen (-25 Prozentpunkte!) und beträgt zur Zeit nur noch 51% – und dies trotz Angstmacherei, trotz dem vielen Geld, welches die Strassenlobby im Tessin für die Propaganda einsetzt und entgegen der Meinung der meisten politischen Amtsträger.

Marina Carobbio Guscetti, Vize-Präsidentin der Alpen-Initiative, Nationalrätin SP-Tessin

Die staugeplagte Tessiner Bevölkerung weiss genau, wie es sich in einer Transithölle lebt und wie verheerend noch mehr Schwerverkehr für Umwelt und Lebensqualität wäre. Die 3 Milliarden Franken sind darum in den Agglomerationen besser investiert als am Gotthard.

Das Bundesparlament und der Bundesrat missachten mit ihrem Ja zur zweiten Gotthard-Röhre die Verfassung, entwerten die NEAT und belasten die bereits geplagte Tessiner Bevölkerung mit noch mehr Verkehrsproblemen und Umweltbelastungen.

Der Bau einer zweiten Gotthard-Röhre bedeutet einerseits eine Abkehr von einer bewährten Verkehrsstrategie für den Alpenraum und missachtet andererseits auch das Volks-Ja im Jahr 1994 zur Alpen-Initiative, die den Schutz des Alpenraums in der Verfassung festhält.

Eine zweite Gotthardröhre widerspricht aber nicht nur der Verfassung, sondern bringt schwerwiegende konkrete Probleme mit sich: So bedeuten zwei Röhren mehr Lastwagen und Autos auf der gesamten Achse Basel-Chiasso. Schon heute ist klar, dass das Versprechen, die zweite Gotthardröhre „ohne Kapazitätserweiterung“ zur realisieren, nicht gehalten werden kann. Die Schweiz wird sehr schnell unter dem Druck der EU und der Lastwagenlobby zusammenbrechen und die teure Infrastruktur vollständig freigeben. Darunter wird die Tessiner Bevölkerung leiden, die bereits jetzt übermässigen Umweltbelastungen ausgesetzt ist: die Luft im südlichen Tessin schweizweit am stärksten mit Schadstoffen belastet, die Strassen sind chronisch verstopft und die Verkehrssituation ist oft chaotisch. Der Bau einer zweiten Gotthardröhre würde diese Probleme noch verschärfen und hätte schwerwiegende Folgen für die Lebensqualität der Menschen im Alpenraum.

Ein zweiter Gotthardautobahntunnel wird, über kurz oder lang, mehr Verkehr anziehen, insbesondere Schwerverkehr. Eine konsequente Verlagerungspolitik auf die Schiene hingegen ermöglicht eine Zukunft ohne Verkehrslärm und Umweltbelastungen und eine sichere, zukunftsweisende Verkehrspolitik weit über die Schweizer Grenze hinweg.

Der Tessin will keine ungebremste Verkehrszunahme auf der Nord-Süd Achse. Deshalb, auch aus Solidarität mit dem Tessin: Nein zur zweiten Röhre!

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