Gesundheit für alle, für jeden Menschen überall

Gesundheit für alle, für jeden Menschen überall
Gesundheit für alle, für jeden Menschen überall

Vorwort zum Manifest des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio über das Recht auf Gesundheit als Teil der sozialen Gerechtigkeit und Solidarität

Nicht nur in armen Ländern, auch in der Schweiz sind der Zugang zur Gesundheitsversorgung und das Recht auf Gesundheit für alle noch nicht erreicht. Das eben veröffentlichte Manifest des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz leistet einen wichtigen Beitrag in der Debatte über die Rolle von Politik und Zivilgesellschaft bei der Umsetzung der UN Agenda 2030, schreibt Nationalratspräsidentin Marina Carobbio.

Gesundheit für alle, für jeden Menschen überall

Illustrationen: Jamie Aspinall, Basel (© Medicus Mundi Schweiz)

Am 25./26. Oktober 2018 fand in Astana in Kasachstan die Globale Konferenz zur Basisgesundheitsversorgung statt. Thema der Konferenz war die Verwirklichung einer allgemeinen universellen Gesundheitsversorgung sowie die Erreichung der 2015 von der UN verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele (SDGs).  40 Jahre nach der Erklärung von Alma-Ata war der Zeitpunkt gekommen, die Diskussion über die Notwendigkeit der Förderung der Basisgesundheit neu zu lancieren. Die abschliessend verfasste Erklärung wurde von den 197 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation  einstimmig angenommen und bestätigt die vor 40 Jahren in der Erklärung von Alma-Ata festgelegten Werte und Grundsätze, insbesondere das Recht auf Gesundheit für alle und die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit und Solidarität.

Ein entscheidender Schritt, dem nun konkrete Taten folgen müssen. Die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen oder nur beschränkten Zugang zu den wichtigsten Gesundheitsleistungen. Dies geht aus einem gemeinsamen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank aus dem Jahr 2017 hervor. Gemäss der WHO leben rund 100 Millionen Menschen infolge von Gesundheitskosten in extremer Armut (mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag) und 12% der Weltbevölkerung geben 10% ihres Einkommens für die Gesundheit aus. Nicht nur in den armen Ländern, sondern auch in der Schweiz wird das Recht auf Gesundheit in Frage gestellt, wo nebst der Erhöhung der Krankenkassenprämien auch die sogenannten „Out of Pocket-Zahlungen“ – direkte Kostenbeteiligung seitens der Versicherten – dazu beitragen, dass die Gesundheitskosten für viele Familien zur erdrückenden Last werden.

Natürlich wurden in den letzten Jahren gesamthaft gesehen auch grosse Fortschritte verzeichnet, wie zum Beispiel bei der Bekämpfung von Malaria und Tuberkulose. Dennoch  liegen die Ergebnisse hinter den Erwartungen, gerade was die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit betrifft, wo die Millenniumsziele nicht erreicht werden konnten. Weltweit führen Krieg und Hungersnot zum Einbruch des Gesundheitswesens. In vielen Ländern schlagen bestimme Interessengruppen vor allem Profit aus dem „Geschäft mit der Gesundheit“ oder machen das medizinische Versorgungsangebot durch Privatisierung zur Handelsware. Hinzu kommt die besorgniserregende Zunahme von nicht übertragbaren Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und Herz- Kreislauferkrankungen, und dies nicht nur in Wohlstandsländern.

Gesundheit als Entwicklungsfaktor muss ernst genommen werden

Der Zugang zur Gesundheit zählt nebst einem ganzheitlichen Entwicklungsansatz zu den wichtigsten Entwicklungsfaktoren eines Landes. Und was für uns gilt, muss auch für arme Länder gelten. Dies betrifft zum Beispiel die spärliche Verfügbarkeit gewisser Arzneimittel infolge zu hoher Preise. Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu wichtigen Medikamenten. In der Schweiz führt die fehlende Rückerstattung für Medikamente zur Behandlung seltener Krankheiten oder zur Krebstherapie zu einer Zweiklassenmedizin. Zur Behandlung dieser Erkrankungen müssen die Medikamentenpreise gesenkt und Medikamente dort verfügbar gemacht werden, wo sie gebraucht werden, ungeachtet des Patentschutzes.

Die Konferenz von Astana anerkennt das Recht auf Gesundheit für alle. Um diesen Grundsatz umzusetzen, müssen die öffentlichen Gesundheitssysteme gestärkt werden, indem der gesamten Bevölkerung Zugang zu hochwertigen Pflegeleistungen, auch in der Grundversorgung, garantiert wird. In der Agenda 2030 der UNO und deren 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) gilt Nachhaltigkeit als globale Herausforderung, die nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern eine ganze Reihe von Faktoren berücksichtigen muss. Auf diesem Motto gründet das von Medicus Mundi anlässlich des 40. Jahrestags der Erklärung von Alma-Ata veröffentlichte Manifest „Gesundheit für alle in einer Generation„. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Debatte über die Rolle von Politik und Nichtregierungsorganisationen bei der Erreichung der Ziele der Weltgesundheitsorganisation: Gesundheit für alle, für jeden Menschen überall.

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