Rede bei der Veranstaltung „Berufe: Frauen können alles“

Rede bei der Veranstaltung „Berufe: Frauen können alles“

Gestern fand im Nationalratssaal eine Veranstaltung statt, die ich zusammen mit den Parlamentsdiensten organisiert hab: Das Rundtischgespräch „Berufe: Frauen können alles“. Vier aussergewöhnlichen Frauen waren dabei: Professorin Ursula Keller vom Institut für Quantenelektronik der ETH Zürich, die Fussballerin der europäischen Nationalmannschaft 2017 Caroline Abbé, die ehemalige UN-Jugenddelegierte für die Schweiz, Giada Crivelli und Simona Scarpaleggia, CEO von IKEA Schweiz.

Hier ist meine einleitende Rede und ganz unten der Medienspiegel:

 

Gentile signora Abbé
Gentile Signora Crivelli,
Gentile Signora Prof. Dr. Keller,
Gentile Signora Scarpaleggia,
Gentili Signore ed egregi signori

Als ich von meiner Fraktion nominiert wurde um das Amt als Präsidentin des Nationalrates im Jahr 2019 zu besetzen, begann ich zu überlegen, welche thematische Schwerpunkte ich in diesem Jahr setzen wollte. Ich wollte und will die Sichtbarkeit dieses Amt nutzen, um über Themen zu diskutieren, welche mein politisches Engagement widerspiegeln. Das erste ausgewählte Thema ist die Förderung und die Valorisation der Mehrsprachigkeit, sowie spezifisch der italienischen Sprache und Kultur. Das zweite Thema ist die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und die faire Vertretung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereiche.

Ich hatte schon bald die Idee, am internationalen Frauentag eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren. Dieser Tag bietet die Gelegenheit, sowohl die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Erfolge von uns Frauen zu würdigen, als auch an die Diskriminierung und Gewalt zu erinnern, unter der wir im Laufe der Geschichte überall auf der Welt zu leiden hatten und nach wie vor zu leiden haben. Auch in der Schweiz besteht noch nicht in allen Bereichen Gleichberechtigung. Das Programm der aktuellen Frühlingssession, um somit auch die Teilnahme von Ratsmitglieder zu erleichtern, führten mich dazu, die Veranstaltung auf dem heutigen Vorabend des Frauentages festzulegen.

Danach kam die Frage des «was» und des «wo». Der Entschied diese Veranstaltung im Nationalratssaal durchzuführen ist nicht zufällig. 1991 fand genau hier die Frauensession statt: Einige von euch werden sich sicherlich daran erinnern. Um das 20-jährigen Bestehens des Frauenstimmrechts und 10-jährigen des Gleichberechtigungsartikels in der Verfassung hervorzuheben, sowie natürlich die Notwendigkeit weiteren Schritte in Richtung effektive Gleichheit zu unterstreichen, organisierten Politikerinnen zusammen mit der damaligen Vize-Ständeratspräsidentin Josi Meier und der Sekretärin des Ständerates Annemarie Huber-Hotz die sogenannte Frauensession: rund 250 Frauen aus verschiedenen Organisationen und Bereichen trafen sich zwei Tage lang im Bundeshaus und diskutierten über Gleichstellung.

Während dieser Frauensession hielt Josi Meier eine historische Rede, an deren Wörter ich mich noch heute erinnere. Sie sagte: «Erst heute begreife ich jene Männer, die mir am Anfang meiner Karriere sagten, die Frau gehöre ins Haus. Recht hatten sie. Die Frauen gehören ins Gemeindehaus, ins Rathaus, ins Bundeshaus».

Recht hat sie! Wir Frauen gehören in die Institutionen, in Kaderposition in Unternehmen, in die Wissenschaft – Wir Frauen gehören überall hin. Ich wollte diese Veranstaltung hier im Nationalratssaal machen, weil es ein der Hauptzentren der politischen Macht unser Land ist und somit einen starken symbolischen Wert hat.

Auch das «wo» war somit beschlossen, es fehlte nur noch das «was». Im Gegensatz zu anderen Veranstaltung, die ich organisiert habe oder an deren ich als Präsidentin teilnahm, wollte ich dieses Mal einen breiteren Fokus legen. Denn eine faire Vertretung der Frauen ist nicht nur in der Politik wichtig, sondern in allen gesellschaftliche Bereiche.

In unserer heutigen Gesellschaft sind die Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten für Jugendliche sehr vielseitig und für alle gleichermassen zugänglich – zumindest auf dem Papier. Denn häufig lassen sich junge Menschen bei der Wahl des Berufes aber von traditionellen Vorstellungen leiten, statt auf ihre eigenen Wünsche, Interessen und Stärken zu hören. Die gesellschaftlichen Rollenvorstellungen bei der beruflichen Ausbildung beeinflussen die Wahl des Berufs noch immer sehr stark.

Frauen wählen somit nach wie vor mehrheitlich Berufe im Sozial- und Gesundheitsbereich, während Männer in den industriellen und technischen Berufen noch immer die Mehrheit ausmachen. Wenn junge Frauen und Männer eine für ihr Geschlecht «untypische» Ausbildung wählen, brauchen sie überdurchschnittlich viel Ausdauer, Mut und Zuversicht, um etablierte Vorurteile zu überwinden und in einem «exotischen» Berufsbereich erfolgreich zu sein.

Ziel dieser Veranstaltung ist diese Ausdauer, Mut und Zuversicht eine Stimme zu geben. Oder besser gesagt: vier Stimmen. Die Stimmen von vier Frauen mit unterschiedlichen Lebens- und Berufswegen: vom einem grossen Unternehmen zur Fussball Nationalmannschaft, von der Welt der Diplomatie zur Physik. Vier Wege, die zeigen, dass Frauen alles können.

Ich hoffe, dass diese Erfahrungsberichte jungen Frauen als Beispiel dienen können und ihnen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten geben können. Mein Appell an die neuen Generationen ist an sich zu glauben. Schaut euch die Vielfalt der heutigen Berufswelt an. Traut euch auch die eher «untypischen» Ausbildungen und Berufe zu erwägen. Lässt euch nicht von überholten Stereotypen abschrecken. Habt den Mut, eure Träume zu verwirklichen.

Gerne übergebe ich das Wort diesen vier mutigen und determinierten Frauen. Danke, dass ihr alle hier seid!

Medienspiegel: 

  • Tagesschau SRF: link
  • Artikel „Annabelle“: link

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